Baumwipfelträume

Wofür bin ich dankbar?

Natürlich für Familie und Freunde. Für dies Leben in der Welt heute,
doch vor allem für etwas, das wird gern übersehen.
Eine bleibt stehen, während andere vorübergehen:

Baumwipfel.

Habe das Glück gleich neben einem zu wohnen.
Ein Blick genügt und alles wird rein,
kann mich nicht beherrschen, nur noch wein‘.
All der Wut, der Trauer über’s Leid der Welt mal Raum zu lassen –
Mitzufühlen mit verletzten Menschen in düsteren Gassen.
Paradoxie beim Klingeln der schmutzigen Kassen,
durch von Winzlingen produzierten Waffen.
Angst, wenn ich die Welt sehe zerbrechen
und immerzu diese an Mensch und Natur verübten Verbrechen.
Diese Liste könnte ich ewig so weiter vertiefen,
doch wäre das der Punkt, an dem mich meine Kräfte verließen.
Jedoch schaue ich nach oben, wird meine Hoffnung angehoben.
Baumwipfel schenken Zuflucht,
reißen raus aus der täglichen Massenzucht,
nehmen mit in eine Welt voll Vertrauen,
in Gedanken neue Geschichte bauen.
Diesen Blick möchte ich nie missen.
Doch sollten mich meine Kräfte mal verlassen,
oder ich durch Ungerechtigkeit durch Gitterstäbe sehen müssen:
Ich werde meine Augen schließen,
mich nicht mit Mitleid begießen.
Ich werde an Bäume denken.
Meine Gedanken in die Ferne lenken und spüren:
Es gibt Weite und immer Licht.
Innere Weitsicht.


Das ist der erste Baumwipfeltraum in Schriftform, den ich zu Papier bringen durfte. Dieser Text hat für mich damit einen ganz besonderen Stellenwert und durfte somit auch das erste Gedicht im Band „Baumwipfelträume 1“ einnehmen. Ein anderes mir Gedicht, bei dem ich baumwipfelträumte:


Ich sehe dunkelgrün und schlammig
braune Ranken.
Sehe, wie sie im Dunkeln wanken.
Ich sehe Schatten an Ecken biegen,
merke, dass dort bloß Bäume im Wind sich wiegen.

Ich fühle einen zarten Hauch auf
meiner Haut.
Merke, wie sich ein Schauer meinen Rücken entlang aufbaut.
Ich fühle tiefe Ruhe und dabei Lebendigkeit.
Spüre, trotz oft Verquerem, Unangenehmen, eine Leichtigkeit
im Sein.

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